Digitale Jobber und Minigehälter

Aufgaben, Jobs und ganze Arbeitsprozesse werden immer häufiger von den Unternehmen ausgelagert. Die neueste Art dieses Outsourcings nennt sich Crowdworking. Worauf sollten Unternehmer und Auftraggeber dabei achten sollten?

Crowdworking bedeutet, dass ein (Einzel-)Unternehmen seine Aufgabenstellung über Online-Portale an Dienstleister vergibt. Die Aufträge werden dafür mit mehr oder weniger detaillierten Beschreibungen in den Portalen eingestellt. Die dort registrierten Crowdworker können sich dann darauf bewerben. Der Auftraggeber entscheidet schlussendlich, wer den Zuschlag erhält. Auftraggeber und Dienstleister kommen in einem auf Freiwilligkeit basierenden Prozess zusammen.

Für den Auftraggeber sind Dienstleistungen, die auf diese Art eingekauft werden, oft deutlich günstiger als der Weg über den klassischen Dienstleister. Crowdworker schätzen an diese Form der Auftragsvergabe bzw. Arbeitsform vor allem die Selbstbestimmung und Flexibilität, denn sie entscheiden selbst, wann und wo sie die Aufgaben erledigen – zum Beispiel unterwegs oder am heimischen PC.

Welche Jobs werden angeboten

Jede Aufgabenstellung, die am Computer erledigt werden kann, eignet sich theoretisch für das Crowdworking. Meist sind es auch kleinere Aufgaben, in der Regel auch für kleines Geld. Teilweise handelt es sich bei den Aufträgen auch nur um einen einzelnen, sehr detaillierten Bereich einer Aufgabe, die auf viele Crowdworker verteilt wird. Es geht zum Beispiel darum, Daten abzugleichen, Adressen herauszufinden, Bilder zu sortieren, Software zu testen oder kleine Texte zu verfassen.

Crowdworking-Plattformen werden auch zunehmend dazu benutzt, um weltweit die talentiertesten und preisgünstigsten Fachkräfte als externe Experten zu beauftragen, etwa Designer, Texter oder Programmierer. Trotzdem werden Crowdworker in der Regel nicht reich. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge sind knapp ein Drittel der Solo-Selbstständigen, zu denen auch Crowdworker zählen, Geringverdiener, bei 18 Prozent von ihnen liegt der Verdienst unterhalb des Mindestlohns. Wer Crowdworking als Haupterwerb betreiben möchte, sollte sich daher umfassend über die einzelnen Plattformen und deren Bedingungen informieren.

Für wen lohnt sich Crowdworking?

Der neue Arbeitsmarkt per Mausklick ist für die Unternehmen sicherlich interessant und einen Versuch wert. Auf dieser Seite ist die Lage ganz einfach: Crowdworking bietet die Möglichkeit, einfache Aufgaben auszulagern und Dienstleistungen günstiger einzukaufen. Für Crowdworker ist die Sache jedoch nicht ganz so einfach und klar, wie die Experten der ARAG wissen. Wer sich als Crowdworker betätigen will, wird schnell feststellen, dass es aktuell nur wenige Regeln und kaum allgemein gültige Vorgaben oder gar Tarife gibt.

Wo finden Crowdworker Hilfe?

Eine Anlaufstelle für (angehende) Crowdworker – sowohl im Hinblick auf Informationen als auch auf den Erfahrungsaustausch – bietet die Crowdcommunity. Um die digitalen Jobber vor Ausbeutung zu schützen, haben einige Anbieter inzwischen reagiert. Die bekanntesten deutschen Crowdworking-Anbieter Clickworker, Streetspotr und Testbirds haben gemeinsam mit Unterstützung des Deutschen Crowdsourcing Verbands einen Code of Conduct (Verhaltenskodex) erarbeitet, der die Zusammenarbeit zwischen Dienstleistern, Kunden und Crowdworkern künftig regeln soll.

Dort werden unter anderem faire Bezahlung und Transparenz versprochen. Allerdings wird nicht ausgeführt, was faire Bezahlung etwa exakt in Euro bedeutet. Wer beim Crowdworking auf unfaire Arbeitsbedingungen oder Probleme trifft, kann sich darüber hinaus auf dem Fair Crowdwork Portal der IG Metall nicht nur informieren, sondern auch melden und Beratung in Anspruch nehmen, fassen die ARAG-Experten zur neuen Job-Kultur zusammen.

 

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