Map Report: das erste Fondspolicen Rating ist da

Insgesamt nur sieben von 91 angefragten Gesellschaften, die über eine Niederlassung in Deutschland verfügen, sind Teil des ersten Fondspolicen Ratings des Map Report. Insofern stellt die Auswertung auch in den Augen der Analysten noch kein repräsentatives Ergebnis dar. Auch bei diesem Projekt ist aller Anfang schwer, wie schon in den Jahren 1993 (erstes LV-Rating) und 2000 (erstes PKV-Rating) wurden die Verantwortlichen mit einer ablehnenden Haltung von Seiten der Gesellschaften konfrontiert.

Reinhard Klages erklärt in dem Vorwort des Ratings:

„Die Teilnahmebereitschaft stieg im Laufe der Zeit und die Bewertungskriterien wurden im Dialog mit der Branche immer wieder aktualisiert.”

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Versicherer ungern, teilweise auch aus taktischen Gründen den Befragungen stellen. Auch dieses Rating baut auf dem bekannten Gerüst mit der Aufteilung in Bilanz-, Service und Vertragsdaten aus den LV- und PKV-Ratings auf und wurde um den Bereich „Fonds“ als viertes Bewertungskriterium ergänzt. Die Konzeption und Auswertung der Fonds-Daten verantwortet der als kritisch und investigativ bekannte Fondsexperte Sasa Perovic, Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Investiga UG.

Bei der Bewertung der Fonds standen u.a. folgende Fragen im Fokus:

  • Welches Fondsangebot erhalten die Kunden?
  • Nach welchen Kriterien werden die Fonds von der Versicherungsgesellschaft selektiert?
  • In welcher Form werden die Fonds überwacht?
  • Wie ist das Ablaufmanagement aufgebaut?

First Mover des Fonds-Ratings

Sehr gute Ergebnisse „MM“ wurden unter den sieben teilnehmenden Gesellschaften für Württembergische, Condor, Debeka, Cosmos und Interrisk bestätigt. Die Huk-Coburg erreichte ein „m“ für gute Leistungen und die LVM ein „m-“ für befriedigende Leistungen. Die höchste Bewertung „mmm“ für hervorragende Leistungen wurde nicht vergeben.

map-report-Gesamtergebnis-Grafik-2016-map-report

Nachdem nur sehr gute Anbieter an diesem ersten Vergleich teilgenommen haben, stiegen die Werte für die Grenzwertbestimmungen zur Punktvergabe. Mit Daten von auch leistungsschwächeren Anbietern wären die Bewertungsraster breiter und es hätten im Verhältnis für bessere Kennzahlen mehr Punkte erzielt werden können.

Drei der Teilnehmer haben den Ausführungen nach eine bessere Bewertung selbst verhindert. Trotz Schwächen bei der Bilanzwertung, gewinnt die Württembergische das Rating mit insgesamt 67,17 Punkten (ab 70 Punkten beginnt die höchste Bewertung). Abfragtewerte zur RfB-Quote, Prozessen und Beschwerden wurden von dem Haus leider nicht mitgeteilt. Maximal-Punkte konnte die Württembergische somit nicht zusätzlich erzielen und verfehlte dadurch das Spitzenrating.

Eine ähnliche Situation ergab sich bei Condor, die ein Bilanzergebnis und insgesamt 66,78 Punkten erreichte, weniger als 3,5 Punkte fehlen zur Höchstbewertung. Die R+V-Tochter verzichtete auf Angaben zu den Leistungen und Kosten der Verträge. Bis zu zehn Punkte konnten deshalb nicht vergeben werden. Die Huk-Coburg hingegen stellte die angeforderten Vertragsunterlagen nicht zur Verfügung und verlor bis zu vier Punkte für eine mögliche bessere Bewertung. Eine Sonderstellung nimmt die LVM ein. Als einziger Teilnehmer wird die Fondsselektion und Portfoliostrukturierung nicht im eigenen Haus vorgenommen. In diesem Bereich werden jedoch bis zu 30 Punkte vergeben, die am Ende fehlen.

Top Bilanzdaten

Lebensversicherungen zur Altersvorsorge laufen in der Regel über viele Jahrzehnte, deshalb erfolgt die Berechnung der Bilanzkennzahlen als Durchschnittswerte über fünf Jahre. Kurzfristige Ausschläge werden so geglättet, fallen aber nicht unter den Tisch. Nur drei der sieben Teilnehmer bieten fondsgebundene Rentenversicherungen seit zwölf oder mehr Jahren an. Insofern erschien eine kürzere Bewertungszeit angebracht.

Die in der jüngsten Vergangenheit stark beachtete Nettorendite der Kapitalanlagen lag im fünfjährigen Schnitt bei 4,47 Prozent und damit etwas niedriger als im Vorjahr mit einem Wert von 4,55 Prozent. Die erfolgreichsten Kapitalanleger waren die Alte Leipziger (5,21 Prozent) vor Swiss Life (4,97 Prozent) sowie Allianz und Axa mit jeweils 4,93 Prozent. Damit dominieren Gesellschaften diese Kennzahl, die es vorzogen haben, sich nicht an dem Rating zu beteiligen. Auf den Plätzen 14 und 15 rangieren dann die Teilnehmer Württembergische (4,58 Prozent) und Debeka.

Den ersten Platz in der Bilanzwertung teilen sich Debeka und Huk-Coburg mit jeweils 8,60 von maximal zehn Punkten. Auf den weiteren Plätzen folgen mit Allianz (7,80 Punkte) und Stuttgarter (7 Punkte) ebenfalls zwei Versicherer, die bei einer Teilnahme wohl obere Plätze in der Gesamtbewertung eingenommen hätten.

 

Bild: (1) © freshidea / fotolia.com (2) © Map Report Ne. 885

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