Cybermobbing ist auf dem Vormarsch

Cybermobbing ist in Deutschland wie auch international weiter auf dem Vormarsch. Weder in Deutschland noch international wird diese Entwicklung ausreichend beachtet. Auch Prävention und Bekämpfung hinken hinterher. In der Kritik stehen auch Anbieter von Social-Media Plattformen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, um Mobbingopfer stärker zu schützen.

So lautet eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse des internationalen ARAG Digital Risks Survey. In dieser ersten länderübergreifenden Trendstudie haben sich die international führenden Wissenschaftler aus Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen, Polen, Spanien und den USA mit den Auswirkungen des Cybermobbings bzw. Cyberbullyings befasst und eine Einschätzung dieses Phänomens und seiner zukünftigen Entwicklungen gegeben.

Cybermobbing und Cybergewalt sind keinesfalls nur ein Phänomen der Jugendkultur, sie sind mittlerweile in allen Altersklassen vertreten. Persönlichkeitsrechte werden dabei immer mehr systematisch verletzt. Hinzu kommt, dass fehlende digitale Empathie die Cyber- Täter stark macht, bestätigen 88 Prozent der befragten Wissenschaftler. Die Handlungsmuster des Mobbings werden dabei mit großer Tendenz virtuell eingeübt, um diese später dann auch „offline“ im realen Leben einzusetzen.

Das Smartphone ist in allen Ländern, die an der Studie teilgenommen haben, das meist genutzte Tool für Cybermobbing, was wiederum den deutlichen Anstieg der Cybermobbing Attacken erklärt. Die ständige Verfügbarkeit senkt die Eintrittsschwelle erheblich. Fotos und heruntergeladene Videos erhöhen die Schadenswirkung und den psychischen Druck. Die Forscher sprechen deshalb von Smartphones auch als „Smart Weapons“.

Kinder und Jugendliche am stärksten betroffen

Bei jüngeren Kindern wirkt Cybermobbing auf eine besonders aggressive Art und Weise: große Öffentlichkeit, Endlosigkeit der Angriffe und keine Rückzugsmöglichkeiten führen zu erheblichen Verletzungen. 84 Prozent der befragten Forscher sehen dies als eine virtuelle Zeitbombe mit unkalkulierbaren Auswirkungen. Jeder 4. Schüler in Deutschland wurde bereits mindestens einmal Opfer von Cybermobbing. Mehr als 30 Prozent der Schulen verzeichnen einmal pro Woche einen Fall von Cybermobbing. Die Belastungen der Opfer reichen von psychosomatischen Beschwerden bis hin zu Suizidversuchen.

Die Aufklärungsarbeit in deutschen Schulen ist leider nur unzureichend. Lediglich 16 Prozent der Schulen informieren ausführlich über diese Gefahren. Institutionelle Maßnahmen zur Aufklärung und Prävention von Cybermobbing sowie Hilfssysteme fehlen flächendeckend an deutschen Schulen. Haupt- und Gesamtschulen zeigen die geringste Präventionsaktivität, obwohl diese gerade hier besonders nötig wäre. Der Präventionsstatus an Schulen ist insgesamt in allen untersuchten Ländern mangelhaft. Lediglich in Großbritannien gibt es flächendeckend Aktionspläne an Schulen. Norwegen hat bereits vor 10 Jahren eine Verpflichtung für Schulen zur Präventionsarbeit eingeführt, die Niederlande folgen diesem Weg seit einem Jahr.

Business-Cybermobbing nimmt rasant zu

Auch unter Erwachsenen breitet sich Cybermobbing mit den entsprechenden Auswirkungen immer weiter aus. Aufgrund von 5 bis 6 Tagen beruflicher Fehlzeit wegen Krankheit durch Angst, schätzen die Experten den Schaden durch Businessmobbing und Krankheitsfolgekosten auf rund 3 Mrd. Euro pro Jahr, mit wachsender Tendenz und das alleine in Deutschland.

10-Punkte -Programm soll Abhilfe schaffen

Neben dem Opferschutz, haben sich die beteiligten Forscher nachdrücklich für die Umsetzung eines 10-Punkte-Präventionskataloges ausgesprochen. Wesentliche Elemente dieses Kataloges sind die obligatorische Verpflichtung der Schulen mit der Pflicht zur Prävention die Einführung regionaler Schulnetzwerke, in denen die Schulen gemeinsam Präventionskonzepte entwickeln und umsetzen und die Verabschiedung eines „Cybermobbing Gesetzes“, das auch Business-Cybermobbing einschließt.

Obligatorischer SOS-Button nimmt Social Media Provider in die Pflicht

Wer sich hilflos Cybermobbing-Attacken ausgesetzt fühlt, soll nach Vorstellungen der Forscher über einen SOS -Button, den alle Social-Media-Plattform-Betreiber verpflichtend bereitstellen und mitfinanzieren müssen, persönliche Hilfe in Anspruch nehmen können. Ebenfalls können den Providern über diesen Button Mobbingfälle gemeldet werden.

 

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