Deutscher Export von Brexit betroffen

Entscheiden sich die Briten am 23. Juni gegen einen Verbleib in der Europäischen Union, wären sie wohl selbst einer der größten Verlierer. In einer Studie von Euler Hermes wird aber auch vor den Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft gewarnt.

Auf die Briten selbst kämen der nach im „worst case“ bis 2019 weitere 1.700 Pleiten zu – zusätzlich zu den derzeit prognostizierten rund 20.300 Fällen pro Jahr, die das Land auch ohne den Brexit bereits verzeichnet. Wäre ein Freihandelsabkommen vorhanden wären es immerhin noch 1.500 zusätzliche Insolvenzen. Hinzu kämen in 2019 ein Rückgang der Exporte um 30 Mrd. Pfund (GBP -9 Milliarden mit Handelsabkommen), eine Abwertung des britischen Pfunds um mehr als 20 Prozent (mehr als -10 Prozent mit Handelsabkommen) und Einbußen von rund 3pp beim BIP. Im Jahr 2019 wäre das Land durch einen Brexit ohne Freihandelsabkommen mit der EU in einer Rezession. Das BIP würde um 1,3 Prozent schrumpfen und selbst mit einem Abkommen mit einem marginalen Zuwachs von lediglich 0,2 Prozent stagnieren.“

Deutsche Wirtschaft betroffen

Ein möglicher Brexit würde sich zum Albtraum für deutsche Exporteure entwickeln, denn ca. 7 Milliarden Euro könnten der deutschen Exportwirtschaft bis 2019 verloren im Falle eines „harten Ausstiegs“ ohne Handelsabkommen verloren gehen. Hinzu kämen die Auswirkungen auf die Insolvenzen in der Bundesrepublik, diese könnten beeinflusst dadurch um 1,2 Prozentpunkte ansteigen.

Die Studie geht davon aus, dass es die Deutschen doppelt so hart treffen würde wie vergleichsweise niederländische oder chinesische Exporteure. Hier wird ein Einbruch an Ausfuhren von ca. 3,2 Milliarden Euro erwartet. Besonders die deutsche Automobilindustrie, die zweifelsohne ein Motor der deutschen Wirtschaft ist, würde unter dem Brexit leiden. 2 Milliarden Euro fehlende Exporte bis 2019 gingen auf ihr Konto, im Maschinenbau wären es a. 1,1 Milliarden  Euro und zusätzlich weitere 1,1 Milliarden Euro im Chemiesektor, der stark von den Briten abhängig ist.

Auch weicher Ausstieg birgt Probleme

Auch ein „weicher Ausstieg“ unter Berücksichtigung eines Freihandelsabkommens brächte bis 2019 mehr als 5 Mrd. Euro an Ausfuhren in Gefahr. Allerdings würde er sich moderater auf den Anstieg der Insolvenzen auswirken, der Wert läge für diesen Fall unter einem Prozentpunkt (pp). Beim deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) wären bei einem harten Ausstieg bis 2019 zwischen -0,3 und -0,4pp gefährdet, beim weichen Szenario mit Freihandelsabkommen etwa -0, 2pp.

Größte wirtschaftliche Verlierer der EU

Niederlande, Irland und Belgien wären noch vor Deutschland, Frankreich und den USA die wirtschaftlichen Verlierer auf EU-Seite. Bis zum Jahr 2019 würden Insolvenzen dort durch einen Brexit um jeweils bis zu 2,5 Prozent, 2 Prozent und 1,5 Prozent höher ausfallen als ohne Ausstieg. Auch der Negativeffekt auf das BIP wäre stark. Die Niederlande würden bis zu 2,4pp ihres Wirtschaftswachstums einbüßen im harten Szenario und selbst mit Handelsabkommen wären es -1,5pp. Der größte Effekt käme von finanziellen Abhängigkeiten durch Holdingstrukturen niederländischer Firmen, aber auch Chemie-, Lebensmittel- und Elektronikexporteure wären besonders betroffen.

Warnung vor Dominoeffekt: Rückläufige Margen und Umsätze britischer Unternehmen

Die zusätzlichen Pleiten in Großbritannien würden in der Konsequenz auch für deutsche Exporteure ein wachsendes Risiko bedeuten, da finanziell schwächere Unternehmen einen Dominoeffekt auslösen könnten. Schlimmstenfalls würden um 1 Prozent rückläufige Umsätze und um 2pp schrumpfenden Marge einige britische Firmen ins Trudeln bringen und somit ihre Zulieferer mitziehen. Selbst mit einem Handelsabkommen müssten sie kämpfen, denn die Margen würden auch dann bis 2019 um 1pp sinken und die Umsätze auf 1,2 Prozent zurückgehen von etwa 2 Prozent in 2016. Einen solchen Rückgang müssen die Unternehmen erst einmal ausgleichen.“

Britische Börse spürt bereits die Angst der Investoren

Londons Rolle als führender Finanzmarktplatz wäre zudem gefährdet. Die Unsicherheit bei Investoren zeigt sich bereits seit 2015 und die britische Börse spürt Auswirkungen des drohenden Brexits: 85 Mrd. britische Pfund (GBP) an Portfolio-Investitionen blieben zwischen dem 1. und 3. Quartal 2015 aus. Rund 40 Prozent davon – also etwa 34 Mrd. GBP – entfallen nach Einschätzungen von Euler Hermes Volkswirten auf die Angst vor dem britischen EU-Ausstieg. Dieser Trend dürfte sich seither fortgesetzt beziehungsweise sogar noch verstärkt haben.

 

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