Mittelstand leidet unter bAV-Zusagen

Trotz des Niedrigzinses setzen Unternehmen weiter auf die betriebliche Altersvorsorge, vor allem um Fachkräfte zu gewinnen. Doch vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) leiden unter den niedrigen Zinsen. Pensionskassen sind bedroht und DIHK-Vize Treier warnt vor Deckungslücken im Mittelstand.

Ein wachsendes Angebot der Arbeitgeber bei gleichbleibender Nachfrage der Arbeitnehmer – so lässt sich das bAV-Jahr 2015 im Mittelstand zusammenfassen. Zwar legen gemischt finanzierte Betriebsrenten sowie Branchen- und Tarifvertragspläne zu, doch um die Nachfrage der Beschäftigten deutlich zu beleben, helfen keine Einzelmaßnahmen wie eine Enthaftung der Arbeitgeber oder Opting-out-Vorgaben. Wichtiger sind flexible Vorsorgelösungen, die sich dem individuellen Bedarf des einzelnen Mitarbeiters anpassen, sowie eine finanzielle Förderung.

Das sind wichtigsten Ergebnisse der Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2016“, die die Generali Versicherungen und das F.A.Z.-Institut herausgeben. Seit 2011 veröffentlichen beide Partner die Studienreihe, die auf einer jährlichen, repräsentativen forsa-Umfrage unter 200 bAV-Verantwortlichen in deutschen mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern basiert.

Die befragten bAV-Verantwortlichen sehen den Hauptgrund für die stagnierende Marktdurchdringung der Entgeltumwandlung vor allem bei den Mitarbeitern: So hätten diese nur geringe Finanzreserven für eine zusätzliche Altersvorsorge und dadurch ein geringes Interesse an der Entgeltumwandlung. Dagegen haben die Arbeitgeber ihr Engagement bei der bAV 2015 ausgebaut. So kann jeder Mittelständler mindestens ein bAV-Angebot vorweisen, wobei die Entgeltumwandlung jetzt in allen befragten Unternehmen stattfindet. Michael Stille, Vorstandsmitglied bei den Generali Versicherungen, erklärt:

„Die Ergebnisse zeigen, dass gerade für Personen mit geringerem Einkommen neue Anreize zum Erwerb von bAV-Ansprüchen gesetzt werden müssen, denn gerade sie sind stärker von Altersarmut bedroht und dringend auf ein zusätzliches Einkommen im Alter neben der gesetzlichen Rente angewiesen.“

Doch manche Pensionskassen wanken – so wie die des insolventen Strumpfherstellers Kunert. BaFin-Chef Hufeld warnte unlängst, dass die Pensionskassen noch mehr als die Lebensversicherer unter dem Niedrigzins litten. Einzelne könnten eventuell ihre eigenen Leistungen nicht mehr aus eigener Kraft in voller Höhe erbringen – Kürzungen seien möglich. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier:

„Mit seinen Zusagen zur betrieblichen Altersvorsorge leidet der deutsche Mittelstand unter den niedrigen Zinsen. So summiert sich bei den kleinen und mittleren Unternehmen die Deckungslücke in den nächsten zwölf Jahren auf mehr als 4 Mrd. Euro. Die jüngsten handelsrechtlichen Anpassungen des Zeitraums für die Berechnung des Rechnungszinses entschärfen zwar den Druck auf das Eigenkapital aktuell. Allerdings wird die Belastung lediglich für einige Jahre aufgeschoben. So bleiben die steigenden Pensionslasten ein Hemmschuh für Investitionen.

Etwa jedes zehnte mittelständische Unternehmen will deswegen weniger als geplant investieren. Dringend erforderlich bleibt auf jeden Fall eine realistische steuerliche Behandlung der Pensionsrückstellungen. Derzeit müssen Betriebe in ihren Steuerbilanzen die Pensionszusagen weiterhin mit pauschal sechs Prozent abzinsen – das lässt sich momentan nicht erwirtschaften. Letztlich werden deshalb weiterhin Gewinne besteuert, die die Betriebe überhaupt nicht realisieren können.“

 

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