GKV: verdoppelt sich Zusatzbeitrag?

In den kommenden drei Jahren wird sich der allein von den Versicherten getragene Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gegenüber 2015 voraussichtlich verdoppeln. Dies ist eines der Ergebnisse der aktuellen Krankenkassenstudie von BDO, einem internationalen Wirtschaftsprüfer.

Gleichzeitig gehen die befragten Kassenexperten davon aus, dass der aktuell gültige Einheitsbetrag von derzeit 14,6 Prozent ebenfalls angehoben wird, dies allerdings möglicherweise auch zu Lasten der Arbeitgeber. Vor der Bundestagswahl im kommenden Jahr werde es hierzu allerdings vermutlich noch nicht kommen.

„Eingeleitete und bevorstehende Reformen sowie die demografische Entwicklung werden zu erheblichen Ausgabensteigerungen führen. Wenn keine Subventionierung durch den Bundeshaushalt erfolgt, können diese bis zu 40 Milliarden Euro nur durch entsprechende Zusatzbeiträge gedeckt werden. Und besonders die kleinen Kassen werden dem wirtschaftlichen Druck nicht standhalten.“

so BDO Vorstandsmitglied Parwäz Rafiqpoor. Mittel- bis langfristig wird sich die Zahl der GKVen gegenüber heute um weitere 20 bis 35 Prozent reduzieren, so die befragten Kassenexperten.Besonders Krankenkassen mit geringen Mitgliederzahlen werden wahrscheinlich eigenständig nicht überleben können.

Um der Kostensteigerung und der vorhersehbaren demografischen Entwicklung zu begegnen halten sie dann in spätestens zehn bis zwanzig Jahren auch Einschnitte in den gesetzlichen Leistungskatalog der GKVen für unumgänglich. Aus Sicht der Krankenkassenexperten sollten zunehmend Konzentrationsprozesse eingeleitet und nicht mehr jede Gesundheitsleistung in der Fläche bzw. auf dem Land angeboten werden. Rafiqpoor weiter:

„Hier bieten jedoch die fortschreitende Digitalisierung und besonders telemedizinische Anwendungen große Chancen, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sicherzustellen.“

Für die BDO Krankenkassenstudie 2015 wurden Vertreter der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigungen, Experten aus Gesundheitspolitik und Sozial- und Wirtschaftswissenschaften befragt.

 

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