Fotovoltaik und Schneedruckschäden

Unser Wetter wird immer unberechenbarer und extremer. Starke Schneefälle und Stürme sind nicht nur Vorzeichen der kalten Jahreszeit. Deutschland war in den letzten Tagen, je nach Region, von heftigeren Schneefällen betroffen. Ski und Rodel gut Anfang März – aber auch starke Beeinträchtigungen auf der Straße und den Schienen sowie eine erhöhte Lawinengefahr in den Bergen. Wird es wärmer und setzt Tauwetter ein, wird der Schnee nass und schwer. Was bedeutet dies für Solarmodule und deren Besitzer?

Horst Wenzel, Key Account Manager Süd der Oberösterreichischen Versicherung

Horst Wenzel, Key Account Manager Süd der Oberösterreichischen Versicherung

Nasse Schneemassen auf Fotovoltaikanlagen bedeuten einen enormen Druck für die Solarmodule. Halten diese nicht stand, ist Glasbruch durch Schneedruck eine häufige Folge für Schäden an der Fotovoltaikanlage. Doch es kann vorgebeugt werden.

Ob man in einer schneereichen Region zuhause ist, kann auf Basis sogenannter Schneelastzonen überprüft werden. Hierfür werden für die Regionen in Deutschland charakteristische Werte für Schneelast hinterlegt. Besonders viel schneit es im Oberharz, im Allgäu und in den Hochlagen des Fichtelgebirges. Eine Karte aktueller Schneelastzonen in Deutschland finden Sie hier.

Umfassende Wartung der Anlage

Die Oberösterreichische Versicherung empfiehlt, das Messen und Prüfen nicht nur bei neuen Fotovoltaikanlagen durchführen zu lassen. Gerade Anlagen, die schon ein paar Jahre alt sind, müssen mit größter Sorgfalt gewartet werden. Insbesondere folgende Punkte sollten Fotovoltaikanlagenbesitzer vor dem ersten Schnee prüfen lassen:

  1. Gibt es lose Kabel? Hängen bei dachparallelen Fotovoltaikanlagen Kabel und Stecker von den Solarmodulen herunter oder liegen sogar lose auf dem Dach, können diese vom herunterrutschenden Schnee mitgerissen werden.
  2. Prüfen Sie die fachgerechte Befestigung der Fotovoltaikmodule und sonstiger Komponenten. Sind die Module nicht sachgemäß mit dem Gestell verbunden, besteht die Gefahr, dass sie durch Schneedruck verschoben werden können.
  3. Wohnhäuser, die direkt an einen Bürgersteig oder an Nachbargrundstücke angrenzen, sind von herabrutschenden Schneemassen betroffen. Diese Dachlawinen können Personen und Gegenstände beschädigen.
  4. Eine erhöhte Druckbelastbarkeit kann auch durch Starkwind entstehen. In stark windigen Regionen, die verstärkt Frühjahrs- und Herbststürmen ausgesetzt sind, kann durch Wind eine ebensolche Drucklast wie durch Schnee auf das Modul ausgeübt werden. „Man spricht dann von der sogenannten Soglast“. Die Belastbarkeit der Module wird in der Regel in den Informationen der Modulhersteller erklärt und wird in der Einheit Pascal (pa) angegeben. Um umzurechnen, wie viel Kilo pro Quadratmeter das sind, kann die Angabe durch 9,81 geteilt werden. Ein durchschnittliches Fotovoltaikmodul hat eine Druckbelastbarkeit von 2400 Pascal. Module, die in Gebieten mit erhöhter Drucklast eingesetzt werden, können zwischen 5400 und 8000 pa haben. Diese Module zeichnen sich durch einen verstärkten Rahmen und dickeres Glas aus.
  5. Häufig sind Schäden an den Fotovoltaikanlagen die Folge einer mangelnden Installation. Die Gestelle der PV-Anlage und die Statik sind auf die jeweilige Region anzupassen. Wird die Anlage aber mangelhaft installiert, nützt auch die beste Technik nichts. Deshalb ist eine ordnungsgemäße Befestigung der Module, Gestelle und Unterkonstruktionen unbedingt notwendig.
  6. Prüfen Sie deshalb, idealerweise im Zuge eines Fotovoltaik Wintercheck, ob der Versicherungsschutz, zum Beispiel durch eine Allgefahrenversicherung oder Fotovoltaik-Police in ausreichender Form vorhanden ist.

Ist es ratsam, Fotovoltaikmodule von der Schneelast zu befreien?

Die Versicherungsexperten der Oberösterreichischen Versicherung, die sich auf die professionelle Absicherung von Fotovoltaikanlangen spezialisiert haben, raten davon ab, auf ein schneebedecktes Dach zu steigen, um die Solarmodule vom Schnee zu befreien. Das Risiko dafür ist einfach zu hoch, außerdem können durch die Arbeiten auf dem Dach Schäden an der Fotovoltaikanlage entstehen.

Wirkt sich die Schneedecke auf den Ertrag der Fotovoltaikanlage aus?

Der Ertrag der Fotovoltaikanlage wird durch die Schneebedeckung gemindert, das ist richtig. Doch dieser Wert wird bereits bei der Ertragsberechnung der Solaranlage einkalkuliert und auch bei den Finanzierungen berücksichtigt.

 

Bild: (1) © Kara / fotolia.com (2) © Oberösterreichische Versicherung

 

 

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