Wer hilft bei Unfällen mit Autos aus dem Ausland?

Eine abrupte Bremsung, ein Moment der Unaufmerksamkeit und schon ist es passiert – ein Autounfall. Sofern es beim Blechschaden bleibt, ist das zwar sehr ärgerlich, aber zumeist kein Drama. Die Versicherung des Unfallverursachers kümmert sich ja. Aber was ist, wenn jener Unfallverursacher aus dem Ausland kommt und der Wagen dort zugelassen ist?

Nach einem Unfall mit einem ausländischen Autofahrer können sich Betroffene an das Deutsche Büro Grüne Karte (DBGK) wenden –einen eingetragenen Verein mit Sitz in Berlin. Mitglieder des Vereins sind die in Deutschland tätigen Kfz-Haftpflichtversicherer. Aufgabe des DBGK ist die Verbesserung des Verkehrsopferschutzes bei Unfällen in Deutschland, die von Kraftfahrzeugen außerhalb ihres Zulassungslandes verursacht werden.

Das DBGK übernimmt quasi die Pflichten eines Haftpflichtversicherers für ein ausländisches Kfz in Deutschland. Deshalb kann das DBGK nach eigenen Angaben wie ein Haftpflichtversicherer in Anspruch genommen werden. Somit können Schadenersatzsprüche direkt beim DBGK geltend gemacht werden, ohne dass die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners kontaktiert werden müsste.

Das Deutsche Büro Grüne Karte wickelt den Schadenfall normalerweise nicht selbst ab, sondern teilt einem Versicherungsunternehmen (Mitglied) oder auch einer privaten Schadenregulierungsorganisation mit, dass es den Schadenfall zu Lasten des ausländischen Bureaus oder des ausländischen Haftpflichtversicherers abwickeln soll. Bei der Zuteilung der Schadenabwicklung sind bestehende „Korrespondenzabkommen“ zwischen inländischen und ausländischen Versicherungen zu berücksichtigen. Es kommt deutsches Recht zur Anwendung, deshalb unterscheidet sich die Regulierung im Ergebnis nicht von einem „rein deutschen“ Unfall.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme des DBGK ist lediglich, dass sich der Unfall mit einem Auto ereignet hat, das in einem der Länder des Grüne-Karte-Systems zugelassen ist. Halter aus EU-Staaten Ländern sowie Andorra, Island, Kroatien, Norwegen, Serbien sowie der Schweiz müssen die Grüne Karte nicht verpflichtend dabei haben. Das DBGK hilft in diesen Fällen aufgrund des Kfz-Kennzeichens des Unfallgegners weiter – es gilt wie die Grüne Karte als Nachweis einer bestehenden Haftpflichtversicherung

Zeitliche Verzögerungen möglich

Im Jahr 2014 wurden dem Deutschen Büro Grüne Karte gut 66.000 Fällen gemeldet, die von im Ausland zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland verursacht wurden. Für das Jahr 2015 liegen noch keine aktuellen Zahlen vor, die derzeitige Prognose geht von gut 67.000 Fällen aus, erklärte das DBGK dem experten Report auf Nachfrage.

Ganz so zügig, wie bei einem Unfall mit einem inländischen Auto geht es aber dann leider noch nicht immer. Zeitliche Verzögerungen könnten dadurch auftreten, dass die Deckung durch den ausländischen Versicherer bestätigt werden müsse und das könne im Einzelfall auch mal länger dauern, so die DBGK-Pressestelle. „Dennoch gelten für die Fälle des DBGK dieselben Spielregeln wie für alle anderen Fälle auch: nach drei Monaten ist zumindest eine begründete Antwort vom Versicherer zu erteilen (§ 3a PflVG)“, so das DBGK.

Unfälle können Autofahrer auf der Webseite www.gruene-karte.de/unfallmeldung melden. Dazu ist es wichtig, die Grüne Karte, falls vorhanden, vorzulegen, oder zumindest möglichst vollständige Angaben aus der Grünen Karte einschließlich des Gültigkeitszeitraumes. Ein Foto der Karte kann hier hilfreich sein.

 

Bild: © Monkey Business / fotolia.com

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