Metzler: „Top Ten“ deutscher Aktien

Die größten Kurschancen im vierten Quartal 2015 sieht Metzler Capital Markets bei den Aktien der folgenden zehn Unternehmen: Adidas, Allianz, Brenntag, Daimler, Deutsche Börse, Fraport, Freenet, Infineon, Nordex und Wirecard. Zurückhaltung empfehlen die Strategie-Analysten Uwe Hohmann und Hendrik König hingegen für die Titel von Deutsche Bank, ElringKlinger, E.ON, RWE und Volkswagen.

Die Metzler-Analysten favorisieren insbesondere Titel von Unternehmen, die vom intakten Binnenkonsum profitieren dürften oder deren Auslandsaktivitäten auf die Eurozone oder die USA konzentriert sind. Hinzu kommen Unternehmen, die auf die fortschreitende Digitalisierung der Produktion und der Geschäftskontakte setzen. Auch sehen Hohmann und König vorsichtige Anzeichen dafür, dass der Westen seine strengen Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland lockern könnte. Das käme jenen Gesellschaften zugute, die infolge der Sanktionen Umsatzeinbußen hinnehmen mussten.

BIP-Steigerung durch Flüchtlinge

Impulse für die deutsche Wirtschaft erwarten die Metzler-Analysten überdies von den zahlreichen Flüchtlingen – so rechnen sie für das nächste Jahr mit einer dadurch bedingten Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 0,25 Prozent. Vor allem den Branchen Konsum, Bau und Telekommunikation dürften die künftigen Neubürger ein Umsatzplus bescheren. Für bedeutender aber halten Hohmann und König die langfristig positiven Auswirkungen auf die Altersstruktur in Deutschland – also eine Reduzierung des „demografischen Defizits“ –, und die damit steigende Erwerbsquote. Dies setze natürlich eine weitgehend gelingende Integration der kulturell und gesellschaftlich sehr heterogenen Personengruppen voraus.

Autobranche vor großen Aufgaben

Die deutsche Wirtschaft könne derzeit eine Schubkraft gut vertragen. Denn es sei fraglich, ob sich die schon längere Phase einer boomenden Konjunktur, einhergehend mit Rekordgewinnen, hoher Beschäftigung und deutlichen Einkommenszuwächsen ungebrochen fortsetzen werde. Das Ausmaß der Folgen aus dem Diesel-Skandal sei zwar noch unklar, doch habe er erkennbare Auswirkungen weit über Volkswagen hinaus. Die Bedeutung der deutschen Autoindustrie für die gesamte deutsche Wirtschaft sei immens – sie stehe für rund 20 Prozent der hiesigen Industrieproduktion wie auch der Exporte. Mehr als 400.000 Menschen seien direkt in der Autoindustrie beschäftigt. Aufgrund der starken Verflechtungen mit anderen Branchen – Zulieferer, Stahl, Chemie, Elektroindustrie, Mediendienste etc. – könnten die Autoproduzenten die heimische Wirtschaft insgesamt in Mitleidenschaft ziehen. Die Autobranche stehe ohnehin vor Herausforderungen: Die Verkaufszahlen in China sinken, neue Mobilitätskonzepte müssten her, und völlig neue Wettbewerber wie Google oder Tesla stünden auf dem Plan.

Phase größerer Unsicherheiten

Für den Investor sei nun eine Phase größerer Unsicherheiten eingeläutet. Die geplanten Leitzinserhöhungen der US-Notenbank dürften weiterhin Mittelabflüsse aus den Emerging Markets zur Folge haben, und noch ließen sich keine eindeutigen Zeichen für einen Wendepunkt der Wachstumsabschwächung in China erkennen. Aufgrund der möglicherweise sinkenden Exporte bleibe fraglich, ob der Trend stabil wachsender Unternehmensgewinne anhalten werde.

Die eingetrübten Aussichten schlagen sich auch in den Konsensus-Schätzungen für die DAX-Gewinne 2016 nieder, die von ihrer bisherigen Spitze um 3 Prozent gefallen seien. König und Hohmann gehen allerdings davon aus, dass damit das Tal noch nicht erreicht ist, da in dieser aktuellen Berechnung für VW noch ein deutlicher Gewinn zugrunde gelegt worden war. Da VW allein für 5 Prozent der DAX-Schätzungen stehe, sei mit einem weiteren Sinken zu rechnen.

 

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