Mehr als nur Schnittstelle zwischen Fachbereichen und IT

Die Facharchitektur hat innerhalb der Unternehmens-IT von Versicherungen bereits seit einigen Jahren einen festen Platz gefunden. Die Versicherungsforen Leipzig boten daher den Experten der Branche am 29. und 30. September 2015 mit der vierten Fachkonferenz „Facharchitektur in Versicherungen“ erneut eine Plattform zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion aktueller Marktentwicklungen.

Unter fachlicher Leitung von Dr. André Köhler, Geschäftsführer der Schwestergesellschaft Softwareforen Leipzig, diskutierten knapp 80 Teilnehmer aus der Versicherungsbranche über Herausforderungen, Anforderungen und Erfahrungen mit der Facharchitektur. Im Mittelpunkt der Konferenz standen Erfahrungsberichte aus verschiedenen Versicherungsunternehmen und deren Herangehensweise an den Aufbau und die Ausgestaltung einer effektiven Facharchitektur. Im Lauf der zweitägigen Veranstaltung zeigte sich, dass die Versicherer das Thema Facharchitektur recht unterschiedlich interpretieren. Daher ist die Abteilung auch an verschiedenen Punkten in der Unternehmensstruktur angesiedelt – oftmals direkt in der Unternehmens-IT, manchmal jedoch an den Fachbereichen oder sogar bei der Konzernentwicklung. Auch die Modellierung sowie Aufstellung der Mitarbeiter unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen erheblich.

„Die Art der Modellierung und der Werkzeugunterstützung hat nur eine untergeordnete Bedeutung für den Erfolg des Facharchitekturmanagements“, meinte Prof. Dr. Nils Urbach, Professor für Wirtschaftsinformatik und Strategisches IT-Management an der Universität Bayreuth, der in einem Einführungsvortrag die Grundlagen und Erfolgsfaktoren der Facharchitektur vorstellte. „Erfolgreiche Initiativen sind diejenigen, die klar von strategischen Zielsetzungen ausgehen und von starken Personen im Unternehmen getrieben werden. Zusätzlich ist es wichtig zu verstehen, dass das Facharchitekturmanagement eine sekundäre Management Capability mit indirekter Erfolgswirkung ist. Entsprechend dauert es einige Zeit, bis die Effekte für das Business sichtbar werden.“

In einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der DEVK Versicherung, der SV Informatik, der Schweizerischen Mobiliar Versicherungen, der HanseMerkur Krankenversicherung sowie Prof. Dr. Urbach wurden die Faktoren für eine erfolgreiche Facharchitektur in Versicherungsunternehmen noch einmal diskutiert. Die Rolle der Facharchitektur im Unternehmen bewerten alle Diskutanten als essentiell, obwohl sie in den einzelnen Häusern bereits unterschiedlich lange im Einsatz ist. Lange sei die Facharchitektur von der IT-Seite getrieben, heute sei vielen bewusst, wie wichtig es ist, das Thema auch fachseitig zu besetzen.

Während der Podiumsdiskussion, an der sich auch das Publikum rege beteiligte, wurde deutlich, dass es vor allem für die organisationale Ansiedlung keine richtige und falsche Lösung gibt. Betont wurde jedoch, dass IT und Fachbereiche zukünftig deutlich enger zusammenarbeiten werden, IT dadurch dezentraler wird und dort arbeitet, wo sie wirklich benötigt wird, nämlich in den Fachbereichen selbst. Eine gute Architektur helfe dann, der weiter wachsenden Komplexität der IT Herr zu werden.

Einigkeit herrschte auch über die Auffassung, dass die Facharchitektur innerhalb einer Organisation nicht als festes Regelwerk kommuniziert werden darf. Die Diskutanten sahen sich und die Facharchitektur eher in einer Beraterrolle, die den anderen Abteilungen bei konkreten Problemen Lösungen aufzeigt und unterstützt. Festzuhalten ist, dass der Aufbau und Betrieb einer effizienten Facharchitektur für viele Versicherer immer noch eine Herausforderung darstellt. Hinzu kommt, dass das Facharchitekturmanagement nicht isoliert von der IT-Architektur betrachtet werden kann, sich einerseits davon jedoch abgrenzen muss, andererseits aber eine Zusammenarbeit für den erfolgreichen IT-Betrieb unabdingbar ist.

 

Bild: © VAlex / fotolia.com

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