Unternehmenskredite: Richtlinien weiter gelockert

In der Umfrage zum Kreditgeschäft im Euro-Währungsgebiet vom Juli 2015 meldeten die Banken im Euroraum unter dem Strich eine Lockerung ihrer Richtlinien für Unternehmenskredite im zweiten Quartal 2015 (Nettosaldo von -3 Prozent nach -10 Prozent im ersten Jahresviertel). Damit fiel die Lockerung stärker aus als in der vorangegangenen Umfrage erwartet.

Triebfeder dieser Entwicklung war vor allem der Wettbewerbsdruck. Auch bei den Richtlinien für Wohnungsbaukredite an private Haushalte wurde im Ergebnis eine Lockerung gemeldet (-9 Prozent nach 2 Prozent im ersten Quartal), obwohl die Banken in der vorherigen Umfrage noch von einer Verschärfung ausgegangen waren. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war auch hier die Wettbewerbssituation.

Die Bedingungen für die Neukreditvergabe wurden abermals über alle Kategorien hinweg gelockert. Dies geschah in erster Linie über eine weitere Verringerung der Margen für durchschnittliche Kredite. Wie bei den Kreditrichtlinien trug insbesondere der Wettbewerb zu dieser Lockerung bei.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten erhöhte sich per saldo deutlich. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war vor allem das allgemeine Zinsniveau, aber auch die Anlageinvestitionen spielten hierbei eine Rolle. Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten zog unter dem Strich ebenfalls weiter spürbar an, wofür insbesondere das niedrige Zinsniveau und die Aussichten am Wohnimmobilienmarkt verantwortlich waren

Was die Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken im Euroraum betrifft, so hat sich ihre Refinanzierung über Kundeneinlagen und Schuldverschreibungen verschlechtert, ihr Zugang zum Geldmarkt und zu Verbriefungsgeschäften hingegen verbessert.

Mit Blick auf die voraussichtlichen Auswirkungen der laufenden regulatorischen bzw. aufsichtsrechtlichen Änderungen meldeten die Banken des Eurogebiets für das erste Halbjahr 2015 eine weitere Stärkung ihrer Eigenkapitalposition und eine Zunahme ihrer risikogewichteten Aktiva infolge eines Anstiegs der durchschnittlichen Kredite.

Hinsichtlich der vom Eurosystem durchgeführten gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (GLRGs) gaben die Banken an, dass ihre Beteiligung nach wie vor in erster Linie ertragsmotiviert sei und dass sich die GLRGs weiterhin hauptsächlich in Form einer Veränderung der Kreditbedingungen und weniger in Form einer Veränderung der Richtlinien auf ihr Kreditangebot auswirkten.

Die viermal im Jahr durchgeführte Umfrage zum Kreditgeschäft wurde vom Eurosystem entwickelt, um einen besseren Einblick in das Kreditvergabeverhalten der Banken im Euroraum zu gewinnen. Die Ergebnisse der Umfrage vom Juli 2015 beziehen sich auf Veränderungen im zweiten Quartal 2015 sowie auf Veränderungen, die für das dritte Jahresviertel erwartet werden. Die aktuelle Erhebung wurde vom 9. bis zum 24. Juni 2015 durchgeführt. An der Umfrage nahmen 142 Banken teil. Die Rücklaufquote betrug 100 Prozent.

 

Bild: © DasWortgewand / pixabay.com

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