Ein neues Jahr – voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung

Auf dem diesjährigen Neujahrsempfang der BaFin in Frankfurt sprach ihr Präsident Felix Hufeld frei nach Rilke über Aufgaben, Ansprüche und Zumutungen. Die Worte Rilkes bezieht er auf die drei großen Themen 2017: Das Zinstief, die Frage nach angemessener Regulierung und die Digitalisierung.

„Der Druck steigt“

Das sind Hufelds Worte – und sie passen auf jeden seiner drei „Klänge“.

Das anhaltende Niedrigzinsniveau

Der Niedrigzins schlägt gerade bei deutschen Lebensversicherern immer stärker zu Buche. Trotzdem attestiert der Präsident ihnen „kurz- bis mittelfristige Standfestigkeit“:

„Im Großen und Ganzen haben sich Deutschlands Lebensversicherer für eine fortdauernde Zinsdurststrecke gerüstet: Sie haben ihre Eigenkapitalbasis gestärkt, sie haben ihre Überschussbeteiligung gesenkt und bieten Produkte mit neuen Garantieformen an.“

Für einzelne Unternehmen muss dies aber nicht unbedingt gelten, betont Hufeld, denn „der Druck steigt“. Gerade bei vielen kleineren, schwächeren Unternehmen sieht er Nachholbedarf: Das Eigenkapital muss gestärkt werden.

„Wir bewegen uns nach wie vor und zunehmend im Modus der ‚intensivierten Aufsicht‘.“

Das Übermaß an Regulierung

Seit der Finanzkrise 2007/2008 ist die Regulierung deutlich verschärft worden, räumt Hufeld ein, um im gleichen Atemzug zu erläutern, dies sei aus gutem Grund geschehen. Die weitreichende Deregulierung vor der Krise hätte uns überhaupt erst in die notwendige Korrektur geführt.

„Regulierung muss Stabilität schaffen, aber zu vertretbaren Kosten und mit den notwendigen Freiräumen für unternehmerisches Handeln. Kurzum: Sie muss angemessen sein.“

Gerade bei den aktuellen Baseler Verhandlungen (Basel III) steht dies im Fokus. Bestimmt wird die Regulierungsdiskussion aber auch von MiFID II und Solvency II. Einerseits stellt Hufeld klar, dass Verbraucher besonderen Schutz brauchen und die neuen Gesetze gerade für Lebensversicherer wohl kein „Spaziergang“ werden. Andererseits mahnt er aber auch zu „Augenmaß“, denn

„wir laufen […] möglicherweise Gefahr, in der Verhaltensregulierung eine Regelungsdichte und Komplexität zu schaffen, mit der die flächendeckende Versorgung mit Finanzprodukten fraglich werden könnte.“

Das ist für ihn kein Vernünftiges Ziel, denn bei zu vielen Rechtsrisiken wird auch die Produktvielfalt verschwinden – und damit wäre keinem Verbraucher geholfen.

Die „schöpferische Zerstörung“ namens Digitalisierung

Viele Marktakteure bezeichnen die Digitalisierung als zerstörerisch. Der Präsident stimmt diesen Aussagen teilweise zu, denn, wie zu beobachten ist, sind Digitalisierung und Big Data Analytics dabei,

„die gesamte Wertschöpfungskette der Finanzdienstleistung zu beeinflussen, in Teilen vielleicht sogar zu zerschlagen und neu zusammenzufügen.“

Und das ist bei allen Risiken und Herausforderungen – ein starker Akzent liegt hier auf Cyber-Kriminalität und der Gewährleistung von Sicherheit – der schöpferische Aspekt: Die Veränderung der Geschäftsmodelle birgt eben auch Chancen. Versicherer und Banken haben die Möglichkeit, eine viel größere Datenmenge zu erfassen sowie auszuwerten und hieraus passgenauere Tarife auszugestalten.

Aber alles hat bekanntlich zwei Seiten: Präsident Hufeld betont auch hier die Schattenseite und warnt:

„Was regulatorisch durchaus sinnvoll und gewollt ist, könnte in letzter Konsequenz allerdings den Kollektivgedanken auf die Probe stellen.“

 

Bild: © Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

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