“Die Neugier im Markt ist geweckt“

Die S-Direkt hat ihren Pilotversuch zum Telematik-Tarif in der Kfz-Versicherung eingestellt. Zu kostspielig, zu wenig Einsparpotenzial in Relation zu Prämienreduzierung, die der Kunde erwartet. (wir berichteten). Wie geht es anderen Versicherungen? Der experten Report hat mit Dr. Per-Johan Horgby, Kfz-Vorstand der VHV Versicherungen, über seine Einschätzung der Telematik gesprochen.

Dr. Per-Johan Horgby, KFZ-Vorstand VHV

Dr. Per-Johan Horgby, KFZ-Vorstand VHV

Herr Horgby, auch Ihr Haus wirbt – ziemlich aufwändig – für einen Telematik-Tarif. Wie beurteilen Sie die Zukunftsfähigkeit?

Wir sind davon überzeugt, dass der Kunde, insbesondere die Digital Natives, ein digitales Produkt wie den Telematik-Garant in Zukunft im Portfolio ihres Versicherers erwarten werden. Aber wir sind auch der Meinung, dass sich diese digitalen Produkte im deutschen Versicherungsmarkt erst behaupten müssen. Es ist der erste Schritt dieser Art, den unsere Branche in diese Richtung macht. Und unsere Branche ist im digitalen Sektor eher vorsichtig unterwegs. Anders gesagt, wir haben es hier mit einem „slow-burner“ zu tun.

Die VHV hat viel in die Telematik investiert. In einem Artikel der Wirtschaftswoche aus dem April 2015 wird VHV-Vorstand Per-Johan Horgby zitiert: „Wir rechnen mit 10.000 Versicherten, die sich eine Box einbauen“. Wurde diese Zahl erreicht?

Die Nachfrage ist nicht durch die Decke geschossen, das haben wir auch nicht erwartet. Aber die Neugier im Markt ist geweckt. Das merken wir. Wir dürfen nicht vergessen: Unser Telematik-Produkt ist eine ganz neue, digitale Versicherung. Deswegen haben wir als Vermittlerversicherer erstmal unsere Vertriebspartner umfassend informiert und diese haben den Telematik Garant gut aufgenommen. Laut einer aktuellen Maklerbefragung sprechen ca. 50 Prozent der Makler Telematik-Garant aktiv an. Daher sind wir mit dem Start sind zufrieden. Nun sind wir gespannt, wie sich das Produkt mit den weiteren Erfahrungen im Ver- und Betrieb entwickeln wird. Aber wie gesagt: Das ist ein neues Geschäftsfeld. Das braucht Zeit.

Sie haben den Telematik-Tarif vor Einführung ein Jahr lang getestet und eine beachtliche Summe investiert. Wann rechnen Sie mit einem Break Even?

Insgesamt ist das Thema Digitalisierung für uns kein kurzfristiger Marketingansatz, sondern eine nachhaltige strategische Entwicklung. Wir planen und rechnen deswegen nicht damit „morgen“ im Plus zu sein. Es wird sich zeigen wie und wann der Markt das Produkt vollständig annimmt und es sich etabliert hat.

Wie bewerten Sie die Problematik, dass der Versicherer über die Telematik-Funktionen einerseits zusätzliche Services bietet, sich das andererseits in der Prämiengestaltung aufgrund des hohen preisgetriebenen Wettbewerbs nicht niederschlagen kann. Wo kann aus Ihrer Sicht die Lösung liegen?

Die Lösung liegt darin, dass der Kunde im Rahmen des Fairnessgebots an den entstehenden Kosten adäquat beteiligt wird. Wir als Versicherungsverein haben das von Anfang klar in den Raum gestellt: Denn es entstehen ja nicht nur Kosten für den zusätzlichen Service wie den Pannendienst, sondern auch Hardware, Software und Datenübertragungskosten. All das muss einkalkuliert werden und darf nicht zu Lasten von Kunden gehen, die kein Telematik-Produkt gekauft haben. Im Ergebnis zahlt also ein Telematik-Kunde auch einen monatlichen Beitrag für diese Leistungen, die er nutzen kann und von denen er im Fall der Fälle profitiert.

Herr Horgby, wir bedanken uns für Ihre Einschätzung.

 

Bild: (1) © Coloures-pic / fotolia.com (2) © VHV

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