Lottospielen als Altersvorsorge?

Ist Lottospielen besser als Riestern? Zu dem Ergebnis könnte man kommen, folgt man den Ausführungen des Finanzberaters Uwe Redler in seinem Beitrag „Lotto spielen statt Riestern“ bei Capital vom 27.01.2016. Besondere Gewichtung bekommen die Darstellungen von Redler, da erwähnt wird, dass er Mitglied im Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen sei und er Verbrauchern bei der Suche nach den richtigen Vorsorgeprodukten hilft.

Riester – Dilemma oder Chance?

Joachim Haid, Geschäftsführer der SOFTFIN UG und Gründungsmitglied von pro Riester

Kopie mit Fehlern?

Besonders auffallend ist, dass sich Herr Redler sehr stark an den von mir entwickelten 6 Riester-Fragen orientiert und sogar – bis auf Frage 5, die fehlte, – die Reihenfolge eingehalten hat. Ich würde mich fast geschmeichelt fühlen, dass nahezu wörtlich Aussagen aus meinen Schulungen verwendet werden. Weist er damit doch auf wichtige Punkte hin. Leider begeht Redler dabei allerdings einige sachliche Fehler, bzw. stützt seine Empfehlungen offensichtlich auf veraltete Informationen. Dazu später mehr.

Pauschale Aussagen

Gleich zu Beginn führt Redler aus, dass die Altersvorsorge mit der Riester-Rente einem Glücksspiel gleiche. Schließlich könnten die Anbieter, würden Sie vor Rentenbeginn feststellen, dass der Kunde doch länger lebt, als ursprünglich gedacht, die Rentenzusagen anpassen. So ist zu lesen: „Tatsächlich können die Anbieter von Riester-Tarifen ihre Konditionen während der Laufzeit (!) anpassen.“

Das ist zwar korrekt, hier wird auf die so genannte Treuhänderklausel hingewiesen. Aus der Tatsache, dass das bei einigen Anbietern möglich ist, den Schluss zu ziehen, oder zumindest dem Leser den Eindruck zu vermitteln, dass es bei allen Anbietern so wäre, ist aber falsch. Denn dies ist nicht korrekt.

Seit Jahren steigt nämlich die Anzahl von Anbietern, die Zusagen bzgl. garantierten Renten oder garantierten Rentenfaktoren machen und diese eben nicht zum Nachteil des Kunden abändern können. Wenn wir beim Alphabet nur einmal die Buchstaben A-C betrachten, sind hier z.B. die Alte Leipziger, Die Bayerische und die Continentale zu nennen.

Strafe bei Vertragsänderungen?

Uwe Redler weist im Folgenden zwar zu Recht darauf hin, dass es Anbieter gibt, die z.B. beim Weitersparen nach einer Beitragspause, beim Vorverlegen oder Hinausschieben des Rentenbeginns die Möglichkeit haben, die versprochenen Rentengarantien an die nun geltenden Rechnungsgrundlagen (Sterblichkeiten und Rechnungszins) zum Nachteil des Kunden anzupassen. Leider erweckt der Sachverständige auch hier den Eindruck, dass dies bei der Vielzahl der Anbieter der Fall sei. In der Vergangenheit war es tatsächlich so, dass diese nachteiligen Formulierungen bei der Mehrheit Riester-Renten Anbieter enthalten war. In den letzten 3 Jahren hat sich die durchschnittliche Qualität der Riester-Bedingungswerke allerdings deutlich verbessert, so dass es heute viel mehr Anbieter gibt, die alle diese Punkte positiv für den Kunden lösen.

Insgesamt scheint der laut Vermittlerregister als Honorar- und Finanzanlagenberater tätige Redler bzgl. seinen Erkenntnissen zur Riester-Rente in der Vergangenheit zu leben. Zum einen erwähnt er beim Thema Vorziehen des Rentenbeginns, dass dies bis zum 60. Lebensjahr möglich sei. Diese Grenze gilt für Verträge mit Beginn vor dem 01.01.2012. Seit diesem Datum dürfen neu abgeschlossene Riester-Rentenverträge eine Beginnverlegung frühestens zum 62. Lebensjahr zulassen. Davon ausgenommen sind Personen, die bereits vor diesem Alter eine Rente aus einem gesetzlichen Alterssicherungssystem beziehen. Zum anderen verweist der Finanzberater darauf, dass gerade solche Anbieter, die in einem Riester-Rating im Jahr 2010 unter den ersten Zehn gelandet sind, die Möglichkeit haben, die Rechnungsgrundlagen und Rentenzusagen zum Nachteil des Kunden abzuändern. Ob es nun hilfreich ist, sich im Jahr 2016 auf einen 6 Jahre alten Riester-Test zu beziehen und darauf basierend heute Empfehlungen zu geben, sei dem Leser selbst überlassen zu beurteilen.

Pauschale Empfehlungen

Es ist schon erstaunlich, dass ein Finanzexperte basierend auf diesen veralteten Informationen pauschal die Aussage trifft, dass für Kunden die Riester-Rente schon allein deshalb nachteilig sei, weil die Bedingungswerke der unterschiedlichen Anbieter mal mehr und mal weniger qualitative Regelungen enthalten. Von einem Mitglied des Bundesverbands der Sachverständigen für das Versicherungswesen kann man sicherlich differenziertere Empfehlungen für den Verbraucher erwarten. Unterschiedliche Bedingungswerkregelungen gibt es natürlich nicht nur bei der Riester-Rente, sondern in allen Versicherungssparten. Gerade hier ist die Fachkompetenz eines Experten gefragt, der den Markt an Hand der Bedürfnisse und Wünsche des Kunden analysiert und die passenden Anbieter ermittelt.

Es verwundert deshalb am Ende kaum noch, dass Redler auch noch darauf hinweist, dass der Kunde nichts von der Vermittlungsprovision zurück erhalte, würde er aus bestimmten Gründen seinen Beitrag reduzieren wollen. Schließlich sei diese Provision, oder Courtage, wie es beim Versicherungsmakler heißt, auf der Basis der höheren Einzahlungen berechnet. Völlig irrt der Finanzanlageberater damit nicht, denn man kann nur zurückbekommen, was man auch gezahlt halt. Die Kundenbeiträge werden auf Grund der Vermittlungsprovision / -courtage auch bei Riester-Verträgen seit Jahren auf Grund gesetzlicher Regelung über 5 Jahre verteilt belastet. Reduziert der Kunde nun z. B. im 3. Jahr seine Beitragszahlung, wird ihm in den verbleibenden Jahren ein entsprechend geringer Anteil von seinem Beitrag zur Riester-Rente abgezogen. Der Vermittler, der bei Vertragsbeginn eine vordiskontierte Abschlussprovision / -courtage erhalten hat, spürt das auch sehr deutlich – er erhält eine entsprechende Stornoforderung vom Anbieter in Rechnung gestellt.

Sechs Punkte auf die es zu achten gilt

Am Ende stimme ich mit Uwe Redler bzgl. den von ihm genannten sechs Punkten, auf die der Verbraucher zusammen mit seinem Vermittler achten sollte, überein. Schließlich sind das genau die Punkte, die ich seit rund 10 Jahren schule:

  1.  Ist die garantierte Rente bzw. der garantierte Rentenfaktor zum Nachteil des Kunden abänderbar?
  2.  Können die Rechnungsgrundlagen beim Weitersparen nach einer Beitragspause zum Nachteil des Kunden abgeändert werden?
  3.  Ist ein Vorziehen des Rentenbeginns- und
  4.  ein Hinausschieben des Rentenbeginns ohne Anwendung für den Kunden nachteiliger Rechnungsgrundlagen möglich?
  5. Auf welchem Wert basiert ein garantierter Rentenfaktor? Auf dem Garantie-, oder dem zu erwartenden höheren Gesamtguthaben?
  6. Und beim letzten Punkt schreibt Herr Redler: „Welche Kosten wie beispielsweise Provisionen müssen Sie zahlen?“

Diesen letzten Punkt sollte man, da es inzwischen auch einige Honorarberater gibt, wie folgt ergänzen: Welche Kosten, wie beispielsweise Provisionen oder Honorare müssen Sie zahlen und ist Ihr Berater diese auch wert, dass er mit aktuellen Informationen den Markt für Sie sondiert?

 

Bild: (1) © dessauer / fotolia.com (2) © Softfin UG

1 Comment

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.